Für dich im Kino angesehen: „Voll verzuckert“ – der Film. Was Patric Heizmann dazu sagt!

Damon Gameau, Schauspieler und Regisseur, wagt mit seinem Film ein Experiment, das stark an „Super Size Me“ erinnert. Nur, dass er sich nicht mit Fast Food vollstopft, sondern mit dem süßen Gift. Dabei ging es ihm nicht darum, löffelweise sinnlos das weiße Gold in sich hineinrieseln zu lassen, sondern vielmehr über die gewöhnlichen, industrialisierten Lebensmittel an den „Stoff“ zu kommen. Sozusagen als „Trojanisches Pferd“: Er langte zu bei fettreduzierten Fertiglebensmitteln wie z.B. Joghurt mit Aroma, Frühstücksflocken und Säften.

Natürlich beschwichtigt die Zuckerindustrie und stottert so etwas wie „natürlich gehört Zucker zu einer ausgewogenen Ernährung dazu“, doch durch verschiedene Vernebelungs- und Verharmlosungsaktionen kippt das schnell in eine ungesunde Menge, die wir täglich in uns reinschaufeln.

Gameau nimmt als Versuchskarnickel in nur zwei Monaten flauschige 8,5 kg zu, seine Keksschürze auf Bauchnabelhöhe schwillt um zehn Zentimeter an und misst am Ende 94 cm. Im Film ist zu beobachten, dass er unter ständigen Stimmungsschwankungen litt, wobei leider nicht klar wird, ob er hier seine schauspielerischen Fähigkeiten ausspielt. Offensichtlich ist die Akne, die sich entwickelt. Und über Kopfscherzen klagt er auch.

Genau dort, im Kopf, spielt sich der Rausch ab, wenn der Zucker über das Blut transportiert ins Gehirn einsickert. Dann leuchten alle Lampen hell, die Glückshormone tanzen Lambada im grauen Matsch. Zucker macht high, ein gutes Gefühl – quasi eine Belohnung dafür, dass der Superbrennstoff angeliefert wurde. Doch der hohe Zuckerspiegel tut dem restlichen Körper gar nicht gut, weil er z.B. die feinen Blutgefäße (Kapillare) schädigt. Also schmeißt die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion an. Und wenn viel Zucker durch die Adern gepumpt wird, kippt die Drüse Maximalmengen davon ins süße Blut. So wird der Zucker ratzfatz aus dem Blut geschaufelt. Der Blutzucker rast in den Keller, dann fehlt er natürlich schlagartig im Dachgeschoss. Das Hirn wird nervös und verlangt mittels diverser Entzugserscheinungen nach dem weißen Stoff – wir taumeln zur nächsten Zuckerquelle. Das Spiel geht von vorne los. Diese Gier nach mehr spült den Großkonzernen das Geld in die Kasse und uns die Zuckerüberschusskalorien in die Bauch-Sparkasse.

Gameau stopfte sich in seinem zwei Monate dauernden Experiment fast zweieinhalb Tausend Teelöffel Zucker in die Futterluke. Wer denkt, das wäre an der Realität vorbei, der irrt. Denn die große Gefahr lauert nicht in der Zuckerdose oder Zuckerwürfelchenschale neben dem Kaffee, sondern vor allem im Industriefertigfutter und in Softdrinks. Zucker wird untergemischt, ohne das wir ihn bewusst wahrnehmen: Satte 20 Teelöffel Zucker steckte z.B. in einem Frühstück aus Cornflakes, Joghurt und dem „gesunden“ Glas Saft. Und hier ist der Zucker noch einigermaßen offensichtlich zu finden. Abstruser wird es bei Lebensmitteln wie Fleischsalat (mit fast 7 g Zucker pro 100 g) oder Krautsalat (mit süßen 12 g Zucker pro 100 g). Ein Soßenbinder haut sogar mit 31 g pro 100 g so richtig ins Feinkostgewölbe.

Der Film „Voll verzuckert“ regt zum Nachdenken an. Er spielt mit feinen visuellen Einfällen und bunten optische Spielereien. Das hält den Unterhaltungswert hoch. Aber kaum jemand wird nach dem Film so geschockt sein, dass er sämtlichen Zucker vom Berliner kratzen oder noch vorhandene Schokolade im Garten vergraben wird. Aber der Film sensibilisiert, genauer hinzuschauen, wo sich die Süße überall versteckt.

Also mein Tipp: ab ins Kino! Vielleicht mal ohne die süßen Popcorn oder 0,75 Litern Cola! Denn in dieser Kombi stecken blockbustermäßige 150 g Zucker, also zehn Esslöffel. Und wenn der Film packend ist, nehmen wir die Nascherei erst später zuhause wahr, wenn wir vor dem Spiegel feststellen, dass wir „mal wieder was abnehmen“ müssten. Am Besten den Spiegel…