Dicke Mütter – dünne Singles

Singles haben Zeit. Viel Zeit. Zumindest im Direktvergleich mit Müttern. Und sie haben eine ganz andere Motivation, auf eine knackige Figur zu achten. Der „Wert am Markt“ muss hoch sein. Damit der Prinz auf dem weißen Pferd angeritten kommt. Die Neuzeit-Prinzen sind oftmals geblendet durch Schönheiten aus der Medienwelt, die alle offensichtlich die erfolgreichste aller Diäten hinter sich haben: Die Photoshop-Diät.

Bevor es auf Wildfang geht, wird im Bad gestriegelt, gepinselt und lackiert. Außer dem neuesten Pop-Hit aus dem Radio lenkt nichts von dem Prozess der Verschönerung ab. Danach geht es gut gelaunt ins Nachtleben und mit viel Glück reitet heute der Prinz an die gleiche Bar, so dass schon bald nach der Kennenlernphase gemeinsame Abende, statt an der Bar, auf der Couch stattfinden. Ein Prinz und eine Prinzessin weniger auf dem „Markt“.

 

Rituelles Futtern

In den kommenden Monaten dienen abendliche Futtereien als verbindendes Ritual. Gemeinsam geht man durch dick und dünn. Und langsam von dünn nach dick. Die Couch schrumpft immer mehr zusammen, und es stört nicht wirklich. Denn gemeinsam etwas kuscheliger zu werden, das verbindet zunehmend. Wortwörtlich. Der Druck, den mediengemachten Idealen entsprechen zu müssen, schwindet. Und damit auch der Druck, sich gegen die süßen Gelüste zu wehren und Überschusskalorien ins sportliche Fegefeuer zu jagen.

Zur Hochzeit legen sich insbesondere Frauen noch einmal so richtig ins Zeug. Jede Hardcore-Diät ist willkommen. Fast-Verheiratete entwickeln plötzlich eine Disziplin wie Trapezkünstlerinnen in einer chinesischen Zirkusschule. Alles ist möglich. Das Fett zieht es unter diesem massiven Kaloriendefizit schnell von den Rippen wie eine nasse Tapete von der Wand. Kaum ist der schönste Tag im Leben der Prinzessin vorüber, schleichen sich aber die weggehungerten Kalorien wieder zurück und bringen zur Verstärkung auch noch Kumpels mit. Der Jojoeffekt schlägt gnadenlos zu. Und es kommt noch dicker …

Ihr Kinderlein kommet …

Das Highlight eines jungen Pärchens ist natürlich die erste Schwangerschaft. Gewöhnlich schweißt nichts mehr zusammen als ein gemeinsames Kind. Schon während der Schwangerschaft verschwindet in der Dame des Hauses oftmals Hochkalorisches. Und der Mann macht solidarisch mit. Da werden oft zwei schwanger. Zumindest in Sachen Gewicht und Bauchumfang. Blöd ist, dass der Knirps im Bauch selbst im sechsten Schwangerschaftsmonat gerade einmal ca. 300 Kcal extra braucht. So viel wie ein halber Bic Mac. Ohne Pommes und braune Brause. Der Heißhunger auf Süßes entspringt oft einem Mangel an bestimmten Vitalstoffen, wie z. B. Magnesium, nach dem der kleine und der große Körper eigentlich verlangen. Eine halbe Portion Bic Mac liefert kaum etwas von diesem Mineral. Aber vielleicht ein ganzer Bic Mac, oder zwei? Der Überschuss wird abgespeichert. Vielleicht als Vorsorge für die Stillzeit?

Es ist da! Und mit dem Knirps verschwinden Kilos

Klar. Nachdem der Stöpsel auf der Welt ist, sind auf einen Schlag ein Haufen Kilos weg. Die liegen nun schreiend zur Tages- und Nachtzeit vor einem, immer auf der Suche nach Futternachschub. Wer stillt, bastelt Milch. Und entwickelt auch hier teilweise seltsame Gelüste, oftmals ebenfalls resultierend aus einem Mangel heraus. Denn wer sich all zu oft mit „Füllstoffen“ (minderwertigen Nahrungsmittel) abfüllt, weckt seine “Körperintelligenz“, die auf der Suche nach dem Ausgleich ist. Und entwickelt abstrusen Hunger. Das Spiegelbild der jungen Mutti hat sich verändert. Nicht zum Vorteil im Vergleich zu früher. Hormone und gedehnte Haut hinterlassen Spuren.

Oft ist die Motivation dann groß, nun noch einmal „anzugreifen, um die restlichen Schwangerschaftskilos ins Kaloriennirvana zu schicken“. Die ausgedehnten Schlafenszeiten des Frischgeschlüpften lassen Phasen der Entspannung zu. Zum Kochen bleibt auch noch Zeit, damit die leeren Vitalstofftanks wieder aufgefüllt werden können. Und im besten Fall lassen die Pausen abends noch genügend Restkraft, um zum Sport zu verschwinden, sobald der Herr des Hauses die Wache übernimmt. Alles zusammen macht stressresistenter, damit die nächste Nacht gut überstanden werden kann.

Nachwuchs – Runde 2

Meist dauert es nicht all zu lange, da kommt Lütten-Nachschub. Die nächste Schwangerschaft ist schon eine größere Herausforderung. Denn zum Bauch streicheln und ruhige Musik zum Entspannen hören lässt Racker 1 kaum Zeit. Der oder die Kleine braucht die volle Aufmerksamkeit von Mami und Papi. Meist ist es so, dass die Herren der Schöpfung nun noch motivierter ackern, damit sich der Ehrgeiz in Talern auszahlt. Immerhin müssen bald noch mehr hungrige Mäulchen gestopft werden, möglicherweise braucht es eine größere Wohnung, ein geräumigeres Auto. Da bleibt weniger Zeit und abendliche Kraft, die erschöpfte Chefin zu Hause zu unterstützen.

Die Last auf den Schultern der Bald-Zweifach-Eltern wächst oft proportional zum Bauchumfang. Wenn das Erstgeborene auf zwei Beine steht und diese auch ununterbrochen am Laufen hält, ist es mit Entspannungsphasen vorbei. Ständig wird der vollen Windel hinterhergerannt. Der Stresspegel steigt.

Ist das zweite Kind dann da, geht der Stress in den nächsten Level: Beide Kinder müssen gewickelt, verpflegt, getröstet, an- und ausgezogen werden (da machen Winter und Sauwetter so richtig viel Spaß!). Die übriggebliebenen Reste nach dem Essen werden von Mutti wie ein Staubsauger gedankenverloren verputzt. Da kommen nebenbei so viele Extrakalorien zusammen, dass Hauptmahlzeiten aussehen wie Appetizer. Die Schwangerschaftskilos bleiben hartnäckig kleben, wie eingebranntes Eiklar auf dem Ceranfeld.

Endlich FREIZEIT!

Wer den ganzen Tag mit zwei, drei oder mehr Kindern unter Strom stand, braucht abends Entspannung. Wie gut tut es dann, wenn die letzten Stunden vor der „Nachtruhe“ (wie lustig!) dann noch irgendetwas Kalorienhaltiges Synapsenfasching auslöst. Essen macht glücklich. Und zwar ganz schnell. Zumindest so lange, bis wir nackig vor dem Spiegel stehen und ein bisschen mit dem Körper wackeln …

Was können Mütter nun dagegen tun?

Ein paar Lösungsvorschläge

Der Druck, auszusehen wie eine Gazelle ist weg. Der Mann trägt ja wahrscheinlich auch eine kleine Prinzenrolle spazieren. Warum also selbst übertrieben schlank im Strumpf stehen? Genau diesen Druck braucht eine Mutter mit Kindern nicht.

Die wichtigste Botschaft muss lauten: RUHE BEWAHREN! Selbstredend, dass Kinder immer Vorrang haben. Doch Mutti darf sich dabei nicht vergessen und aufgeben. Oft ist sie zerfressen von Sorge um die Kleinen. Meine Mutter pflegt immer zu sagen: „Wir Menschen machen uns Sorgen für 1.000 Jahre, obwohl wir nur 100 werden!“. Als Papa darf ich mitreden: Praktisch alle elterlichen Sorgen haben sich im Nachhinein als unnötig erwiesen. Und da waren einige dabei! Vertraue der Natur. Gib ihr eine Chance.

Als Mutter ist es wichtig, ein klares „NEIN!“ aussprechen zu können. Wenn wir abends mal keine Lust zum Vorlesen haben, oder mittags nicht zum dritten Mal imaginäres Kaffeekränzchen spielen wollen, dann muss das Kind ein NEIN auch akzeptieren lernen. Nicht viele Mütter können das, weil sie dann ein schlechtes Gewissen plagt. Doch so lernt das Kind auch „Frustrationstoleranz“. Gaaanz wichtig für später!

Eltern sollten keinesfalls Mülleimer spielen. Zumindest nicht nebenbei. Falls was übrigbleibt, was noch essbar ist und nicht vorgekaut eingespeichelt auf den Teller zurückbefördert wurde, kann man auf einem Extra-Teller schön angerichtet hinlegen und es abends als Abendessen nehmen. Wichtig ist, dass die letzte Mahlzeit des Tages richtig satt macht, weil ansonsten plötzlich der Naschschrank beginnt, uns anzuflüstern. Wer pappensatt ist, liegt auch den Restabend glücklich auf der Couch und danach im Bett.

Wie wäre es, wenn die junge Mutter abends noch ein paar Minütchen ins Sportprogramm investiert? Wirklich nur ganz kurz? Kniebeugen und Liegestütz werden immer wieder unterschätzt, beide Übungen sind effektiv und schnell gemacht. Mache jede Übung einmal mit so vielen Wiederholungen, bis du sie nicht mehr ordentlich ausführen kannst (Kniebeuge so weit absenken, dass du einen stabilen Stand behälst & Liegestütz gerne auf den Knien ausgeführt, nicht die gestreckte Version).

Die Pause dazwischen machst du so lange du magst. Notiere die erreichte Wiederholungszahl. Nun machst du beim nächsten Workout 1-2 Wiederholungen mehr. Mache die Übungen 3x pro Woche. Spüre, wie gut sich das danach anfühlt!

Und wenn du mit dem Kinderwagen einen Spaziergang machst: Gibt Gas! Rennen, muss nicht sein. Aber ein schneller Schritt bringt deinen Kreislauf in Schwung. Zu schnell bist du, wenn aus dem Kinderwagen ein „Huuiii…“ kommt.

Kinder füllen das Leben mit Sinn. Sie sind der Grund, warum wir Eltern uns immer wieder zusammenraufen und nach vorne schauen sollten. Die harten Phasen werden entlohnt mit einem erfüllten, glücklichen Kinderherzchen. Ein ehrliches Kinderlachen ist unbezahlbar. Auf dem Weg dürfen wir uns aber nicht völlig vergessen. Tue was für dich. Das tut auch den Kindern gut.

Bleibt gesund, du und deine Familie. Aber macht auch was dafür.