Das Salz in der Suppe – gesund oder gefährlich?

Eine Zeitreise …
Die Blutbahnen schlängeln sich mit einer Gesamtlänge von ca. 100.000 km durch den Körper. Beachtlich. So viel Wegstrecke braucht einen Antriebsmotor. Das Herz. Und das muss kräftig pumpen. Vor vielen Millionen Jahre liefen unsere Vorfahren auf allen Vieren. Dann kam der aufrechte Gang. Unsere Blutpumpe musste dadurch viel mehr gegen die Schwerkraft ackern, um den Weg vom großen Zeh bis ins Dachgeschoss bewältigen. Der Blutdruck stieg durch den Übergang vom Vierfüßer zum Zweibeiner auf ca. 120 zu 80 an. Das kräftigte die Blutgefäßwände, das Blutvolumen nahm zu. Um das Blutvolumen aufrecht zu erhalten, spielt Salz bzw. das Natrium (Kochsalz) eine sehr wichtige Rolle: es bindet Wasser.

Da der Organismus über viele Millionen Jahre täglich etwa nur  ein Gramm mit der Naturnahrung aufnahm, musste er mit der Ausschwemmung über das Schwitzen – Schweiß schmeckt bekanntlich salzig – sehr vorsichtig sein. Die Evolution der Menschen begann in der heißen Savanne. Der Schweiß sorgt über die Verdunstung an der Hautoberfläche für die wichtige Kühlung (wir haben seit einigen Millionen Jahren kein Fell mehr, weil die Hautverdunstung erheblich kühlender ist als mit starker Körperbehaarung). Die Körpertemperatur konnte somit konstant auf 37 °C gehalten werden. Hätten unsere Vorfahren da viel Salz beim Schwitzen verloren, wäre der Blutdruck gesunken. Blöd, wenn da plötzlich ein Säbelzahnraubkätzchen mit knurrendem Magen den Weg kreuzte: kein Druck im Blut, keine Power in den Muskeln. Denn ein niedriger Blutdruck sorgt bei plötzlich höherer Belastung z.B. zu Schwindel.

General-Entsalzung nötig?
Heute nimmt die deutsche Durchschnittsfrau ca. 6 Gramm, Männer sogar 9 Gramm Salz zu sich. Es findet sich in unzähligen Produkten. Für mehr Geschmack und nach wie vor zur Konservierung. Insbesondere in Fleisch-, Wurst- und Dosenwaren. Aber erwischt es nun jeden mit einer Blutdruckerhöhung, weil das Salz mehr Wasser zieht und sich dadurch der Druck auf die Gefäße erhöht? Nein!

Als sich unsere Vorfahren aus der Savanne nach Europa aufmachten, hatte sich deren Genetik im Laufe der vielen Generationen angepasst. So herrschen in Nord-Europa erheblich niedrigere Temperaturen. Insbesondere während der Jahrtausende andauernden Eiszeit. Hier lag die Durchschnittstemperatur im Juli bei ca. 5 °C. Schwitzen war unnötig! Je weiter unsere Vorfahren demnach Richtung Norden zogen, desto weniger mussten sie sich gegen den Salz- und damit verbundenen Blutwasserverlust schützen. So bildete sich im Laufe der weiteren Evolution eine Genvariante, die sehr viel mehr Salz ausschwemmen lassen konnte. Mit dem Urin und mit dem Schweiß.

Wer demnach eine Genvariante der Savannen-Urbevölkerung in sich trägt, wird bei der Salzaufnahme erheblich mehr Wasser speichern, da der Körper die Ausscheidung begrenzt. Dann steigt der Blutdruck.

Hat man die Genvariante der Nordeuropäer in sich, dann geht der Körper verschwenderisch mit dem Salz um: beim Schwitzen sowie über den Urin geht wieder viel verloren. Der Druck im Blut bleibt konstant. Gut für die Gefäße, besser für die Gesundheit.

Mache eine eigene Studie: wer es gerne salzig mag und Probleme mit Blutdruck hat, sollte Pansalz verwenden. Denn dieses spezielle Salz enthält neben Natrium eben auch Kalium. Kalium (das übrigens auch in größeren Mengen in Obst enthalten ist) entwässert, was den Blutdruck senken kann.

Himalayasalz auf Abwegen
Und welche Vorteile bringt das  Himalayasalz? Zunächst, das Zeug kommt nicht aus dem Himalaya-Gebirge, sondern aus einer pakistanischen Provinz. Wegen der angeblich enthaltenen knapp 84 Mineralien soll es viel gesünder sein. Doof ist nur, dass der Körper gerade einmal ein Drittel davon braucht. Und den Rest? Den muss unser Organismus entsorgen, weil die übrigen Mineralien nix im Körper zu suchen haben. Und dieses Salz soll so toll sein, weil es bereits über zwei Millionen Jahre alt ist. Ich hatte mir mal vor einiger Zeit ein Paket davon gekauft. Mit Haltbarkeitsdatum bis zum nächsten Jahr. Also gerade noch rechtzeitig. Danach können die den Berg zuschütten. Und dann auf Vanille umsteigen. Die ist zumindest unbegrenzt haltbar. Schmeckt nur zu meinem Käse-Omlette irgendwie seltsam …

Bleib gesund.