Ernährung in der Literatur

Essen – eine immer andere Geschichte

05/2011

Ratgeber, Kochbücher, Zeitschriftenartikel – über Ernährung und Essen wird unendlich viel geschrieben. Doch eine Sparte des geschriebenen Wortes wird dabei meist übersehen: der Roman. Dabei hat gerade dieser so einiges zu bieten, wenn es ums Kulinarische geht. Wir haben die Bücherregale durchstöbert und ein paar leckere Schmöker gefunden!

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Essen muss jeder, essen tut jeder – Essen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Langweilig? Keineswegs! Denn „Der Mensch ist, was er isst“ (Ludwig Feuerbach) – Schon die Philosophen haben sich über Ernährung und Essen den Kopf zerbrochen. Kein Wunder also, dass sich auch so einige Schriftsteller diesem Thema widmen und ihre Protagonisten mal mehr, mal weniger ums Essen und Kochen kreisen lassen. Das Erstaunliche: Sie tun es auf unglaublich verschiedene Weise! Hier kommt eine kleine Auswahl kulinarischer Geschichten der Gourmet-Klasse:

„Es muss nicht immer Kaviar sein“ heißt der Titel von Johannes Mario Simmels Roman aus dem Jahr 1960 – ein Klassiker. Thomas Lieven, Geheimagent wider Willen, hat zwei Leidenschaften: das Kochen und die Frauen. Auf seinen Reisen führt uns der Protagonist durch das Europa des Kalten Krieges, und garniert seine dreisten Abenteuer mit außergewöhnlichen Kochrezepten. Denn für ihn steht fest: Deutsche können ein Wirtschaftwunder machen, aber keinen Salat. Und wir wissen am Ende des Buches weit mehr als bloß, dass weniger Exquisites als Kaviar unsere Geschmacksknospen in Ekstase versetzen kann.

Ein gemeinsames Essen mit Freunden kann etwas ganz Besonderes sein. So geht es den norwegischen, pietistisch erzogenen Schwestern Philippa und Martine, als ihre Magd, die ehemalige Starköchin Babette sie zu einem französischen Diner lädt. Das Essen wird zu einer Art Liebesaffaire – und zwar von der romantischen Sorte, wo man nicht mehr unterscheidet, was körperliche und was geistige Begierde ist. Tania Blixens Roman „Babettes Fest“ (Erstveröffentlichung 1950) verzaubert mindestens ebenso wie ihr Erfolgsroman „Jenseits von Afrika“.

Wer einen Blick über den westlich-kulturellen Tellerrand wagen möchte, aber nicht gleich selbst eine Weltreise buchen kann, dem sei Anthony Bourdains Roman „Ein Küchenchef reist um die Welt – Auf der Jagd nach dem vollkommenen Genuss“ (2005) ans Herz gelegt. Informativ und bizarr zugleich, bietet diese Art Reisetagebuch tiefe Einblicke in die unterschiedlichsten kulinarischen Kulturen. Ob japanischer Kugelfisch oder das noch schlagende Herz einer Kobra in Saigon, der Durch-und durch-Abenteurer Bourdain schreckt auf seiner Reise vor keinem Gaumenkitzler zurück. Nicht umsonst bezeichnet der Tagesspiegel den New Yorker Koch und Bestseller-Autor als „Lou Reed der Töpfe!“

Und dann wäre da noch „Der Koch“ von Martin Suter (2010). Asylant Maravan Vilasam aus Sri Lanka hat eine Gabe: Kochen. Er beginnt als Tellerwäscher in Zürich und gründet bald den Catering-Service „Love Food“. Mit raffinierten Speisen bringt er das Liebesleben der High Society Zürichs nach vorne und schon bald führt es ihn in der Welt der Hochfinanz und der Politik. Der Clou: Im Anhang findet man alle Rezepte des „Love Menus“!

Wer ein besonderes Faible für Sushi, Brot oder Kaffee hat, sollte sich folgende Bücher nicht entgehen lassen:
In „Sushi für Anfänger“ von der erfolgreichen irischen Schriftstellerin Marian Keyes (2002) dreht es sich insbesondere bei einer von drei Frauen in den Dreißigern des öfteren um die japanische Speise … Komisch, interessant und packend, ist dieser Roman alles andere als nur der x-te langweilige Frauenroman.
Sie lieben den Duft frisch gebackenen Brotes? Dieser steigt ihnen beim Lesen von Judi Hendricks Roman „Das Brot des Lebens“ (2002) garantiert in die Nase. Wyn steht vor den Trümmern ihrer Existenz, doch dann fasst sie einen Entschluss, krempelt ihr Leben komplett um und findet im Brotbacken ihr Glück. Besonders reizvoll ist die plastische Erzählweise, die diesen Roman zu einem ganz besonderen Genuss macht. Und die eingestreuten Backrezepte machen allemal Lust aufs Backen!
Und das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Gerhard J. Rekel hat ein ungewöhnliches, faszinierendes Buch geschrieben: „Der Duft des Kaffees. Die Geschichte einer Verschwörung“ (2005). Die rasante Handlung gespickt mit komischen Szenen fesselt von Anfang bis Ende. Ein intelligenter Thriller über verlorene und wiedererwachende Gefühle, eine turbulente Vater-Sohn-Beziehung und natürlich über Kaffee. Obwohl Hauptakteur des Romans, erfahren wir dennoch locker und leicht wie nebenbei vieles über die historische Bedeutung der schwarzen Bohnen seit der Französischen Revolution. Achtung: Es besteht definitiv Suchtgefahr!

Na? Lust aufs Lesen bekommen? Dann los, es lohnt sich! Die Lektüre wird dir garantiert ganz neue Sichtweisen auf Essen, Nahrungsmittel und Kochen eröffnen!



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